Gehen, Bewegung und Gesundheit Auswahl und Pflege von Schuhen
Finde heraus, wann Barfußschuhe nicht geeignet sein können. Expertentipps, Risikodiagnosen und Situationen, in denen Barfußgehen eher schaden kann.
Barfußschuhe sind eine großartige Wahl für die überwiegende Mehrheit von Kindern und Erwachsenen, die ihre Haltung verbessern und die Fußmuskulatur stärken möchten. Dennoch gibt es Situationen und gesundheitliche Zustände, in denen das Tragen von Barfußschuhen nicht geeignet ist.
Wenn du weißt, in welchen Situationen und bei welchen Diagnosen Barfußschuhe keine gute Wahl sind, kannst du potenzielle Risiken, die mit dem Tragen verbunden sind, auf ein Minimum reduzieren.
Barfußschuhe bringen vielen Menschen eine Reihe von Vorteilen – von mehr Freiheit für die Zehen bis hin zu einem besseren Bodengefühl. Es gibt jedoch Fälle, in denen das Tragen nicht geeignet sein kann.
Das betrifft vor allem bestimmte gesundheitliche Zustände, bei denen es wichtig ist, die Schuhwahl mit einer Fachperson abzustimmen und gegebenenfalls schrittweise umzusteigen oder eine Kompromisslösung zu wählen. Dazu gehören zum Beispiel:
Das ist kein klares „Nein“, eher ein Hinweis auf erhöhte Aufmerksamkeit, einen individuellen Ansatz und gegebenenfalls auch fachliche Begleitung. Auch in diesen Fällen lässt sich manchmal ein Weg finden – man muss ihn nur mit Blick auf den konkreten Zustand und die Bedürfnisse des Körpers suchen.
Gerade dann empfiehlt es sich, vor dem Umstieg auf Barfußschuhe den eigenen Gesundheitszustand mit einer Fachperson zu besprechen – etwa mit Physiotherapeut:in, Orthopäd:in oder Podolog:in.
Menschen mit bestimmten Diagnosen kann „barfuß“ Gehen vor allem wegen der sehr hohen Flexibilität oder der dünnen Sohle von Barfußschuhen schaden. Diese bietet bei manchen Zuständen nicht genug Unterstützung für den Fuß, dämpft Stöße weniger und kann zu einer Überlastung bestimmter Bereiche des Fußes führen.
Die Folge können eine schlechtere Stabilität, überlastete Muskeln, Schmerzen und auch eine Verschlechterung des Gesundheitszustands sein. Wenn du also an einer der folgenden Diagnosen leidest, lass dich vor dem Tragen von Barfußschuhen immer von einer Fachperson beraten.
Hypermobilität bedeutet einen krankhaft vergrößerten Bewegungsumfang in den Gelenken. Besonders bei Hypermobilität bei Kindern – und wenn zusätzlich Achs- und Funktionsstörungen der unteren Extremitäten vorliegen – ist das Gehen in Barfußschuhen überhaupt nicht geeignet.
„Wenn man sich nicht weiter schaden und zur Schlangenfrau oder zum Schlangenmann werden möchte, sollte man die Gelenke nicht in Endpositionen drücken und auch nicht versuchen, den Bewegungsumfang noch weiter zu vergrößern. Weiche Barfußschuhe ermöglichen hypermobilen Füßen, in diese Extrempositionen zu geraten – das ist nicht ideal. Im Gegenteil: Ein extrem beweglicher Fuß braucht eher eine festere Sohle, die ihn ein wenig bremst,“ erklärt die Physiotherapeutin Hana Tonarová.
Bei dieser Diagnose ist die Haut extrem verletzungsanfällig und heilt schlecht. Die dünne Sohle von Barfußschuhen schützt möglicherweise nicht ausreichend vor Verletzungen (scharfer Untergrund, herabfallender Gegenstand, Anstoßen). Andererseits kann sie durch ausreichend Platz und Komfort auch ein Vorteil sein – besonders in Kombination mit einer speziellen Einlage.
Empfehlungen zum „barfuß“ Gehen unterscheiden sich unter Fachleuten, aber bei stabil eingestelltem Diabetes sind sich viele Physiotherapeut:innen einig, dass Barfußschuhe mit Einlage eine gute Wahl sein können.
„Ich bin definitiv für Barfußschuhe bei Diabetiker:innen, idealerweise in Kombination mit einer Einlage. In meiner Praxis entsteht das Problem beim diabetischen Fuß am häufigsten bei chronischen Wunden, die oft mit einem eingewachsenen Nagel, einem fortgeschrittenen Pilzbefall oder einer verschlechterten lokalen Durchblutung beginnen – und somit nicht mit dem Schuhtyp zusammenhängen,“ sagt der Physiotherapeut Michael Tichov.
Ein steifes (versteiftes) Großzehengrundgelenk ermöglicht keinen natürlichen Abstoß beim Gehen. Ein Barfußschuh ist in diesem Fall nicht geeignet, weil der Fuß einen Schuh als Unterstützung braucht, der die Funktion der Großzehe ersetzt – idealerweise mit einer steiferen Sohle.
Wenn du also spürst, dass dein großer Zeh seine ursprüngliche Beweglichkeit verliert, ist es höchste Zeit, mit Physiotherapeut:in oder Orthopäd:in zu besprechen, welche Möglichkeiten der Prävention und Behandlung es gibt.
Bei ausgewählten neurologischen Diagnosen kann man nicht pauschalisieren – bei manchen Betroffenen, zum Beispiel mit Zerebralparese, Multipler Sklerose oder einer degenerativen zerebellären Ataxie, können Barfußschuhe die Propriozeption und das Gangbild verbessern.
Anderen wiederum fehlt in solchen Fällen in Barfußschuhen die nötige Stabilität. Es ist immer notwendig, individuell zu beurteilen, was die konkrete Person mit neurologischer Diagnose braucht.
Ein Körper mit sehr hohem Gewicht braucht beim Gehen Dämpfung – und das kann eine dünne Barfußsohle schlicht nicht leisten. Daher ist hier eher ein Barfußschuh mit dickerer Sohle, ergänzt durch eine Einlage, geeignet – oder alternativ ein Schuh mit dicker, aber weicher Sohle.
Das Auftreten in Schuhen mit dünner Sohle ist in diesem Fall extrem schmerzhaft. In der akuten Phase sind weiche Dämpfung und/oder eine Einlage sinnvoll, die den schmerzhaften Bereich entlastet und hilft, das Gewicht richtig zu verteilen, damit der Fuß nicht weiter überlastet wird. Der Umstieg auf Barfußschuhe kann später kommen, wenn der Zustand stabilisiert ist.
Bei einer Achillessehnenentzündung muss vor allem der Zug auf die Sehne reduziert werden. Betroffenen hilft daher allgemein eher Schuhwerk mit geringem „Drop“ (Höhenunterschied Ferse–Vorfuß) oder eine Einlage zur Anpassung der Gewichtsverteilung.
Michael Tichov sieht das Tragen von Barfußschuhen bei einer Achillessehnenentzündung nicht als eindeutiges Problem: „An erster Stelle steht der Besuch bei der Physiotherapie, nicht nur der Schuhwechsel. Wenn sich die Abstoßphase verbessert, der Schritt kürzer wird und das Gehtempo sinkt, wirkt deutlich weniger Kraft auf die Achillessehne – und das auch beim Barfußgehen.“
Barfußschuhe werden vor allem bei Senior:innen mit extremen Fußfehlstellungen (nicht funktionsfähige Fußsohle, Hammerzehen, Hallux valgus) nicht empfohlen. Dennoch können auch Senior:innen dank Barfußschuhen entdecken, wie bequem Gehen sein kann und den freien Platz für die Zehen schätzen. Man sollte nur berücksichtigen, dass der Körper mit zunehmendem Alter nicht mehr so anpassungsfähig ist – daher kann die Gewöhnung an neue Schuhe schwerer fallen und länger dauern.
Am Ende ist am wichtigsten, ob sie sich in Barfußschuhen gut, bequem und stabil fühlen – oder ob sie lieber bei den Schuhen bleiben, die sie ihr Leben lang getragen haben.
Eine gut gewählte Schuheinlage – idealerweise individuell angefertigt oder angepasst durch Podolog:in, Orthopädietechniker:in oder Physiotherapeut:in – kann bei vielen Diagnosen ein guter Kompromiss zwischen Komfort und funktioneller Unterstützung sein.
„Zum Beispiel bei Beschwerden wie Fersensporn, Achillessehnenentzündung oder Hallux valgus kann eine richtig gewählte Einlage im Barfußschuh Schmerzen deutlich lindern und gleichzeitig helfen, die Ursache der Beschwerden anzugehen,“ erklärt Michael Tichov. „Wichtig ist, dass der Schuh gut sitzt, dort unterstützt, wo es nötig ist, und gleichzeitig die natürliche Bewegung des Fußes fördert.“

Eine anatomisch geformte Zehenbox bei Barfußschuhen ist bei keiner Diagnose oder Fußdeformität ein Problem.
„Ich kann keine Diagnose nennen, bei der die anatomische Form der Zehenbox stören würde. Das heißt: Wenn die Form vorne passt und überall ausreichend Platz ist, dann ist das so für alle in Ordnung,“ sagt Hana Tonarová.
Eine richtig geformte Zehenbox ermöglicht den Zehen natürliche Bewegung und trägt nicht zu weiteren Deformitäten bei – im Gegenteil: Sie kann den Komfort und die Fußgesundheit verbessern.
Auch wenn du keine gesundheitlichen Probleme hast, kann falsches Tragen von Barfußschuhen zu unangenehmen Beschwerden führen – zum Beispiel zu Überlastung von Muskeln und Bändern, einer Verschlechterung von Problemen mit dem Fußgewölbe oder einem höheren Verletzungsrisiko beim Gehen auf hartem Untergrund. Der Umstieg auf Barfußschuhe sollte schrittweise und mit angemessener Belastung erfolgen, denn auch Barfußschuhe sind keine Universallösung für alle Fußprobleme.
Manche Füße brauchen länger, um sich an „barfuß“ Gehen zu gewöhnen, und können signalisieren, dass ein Umstieg von heute auf morgen nicht die richtige Wahl ist. Zu den Warnsignalen gehören zum Beispiel anhaltende Schmerzen in den Füßen oder Waden oder eine schlechtere Stabilität beim Gehen. Stell dir vor, du würdest nach Jahren ohne Bewegung plötzlich intensiv trainieren – auch dann bräuchte der Körper Zeit zur Anpassung. Wenn die Beschwerden jedoch anhalten, ist es sinnvoll, die Situation mit Physiotherapeut:in oder Podolog:in zu besprechen.
naBOSo Tipp: Wenn du gerade erst mit Barfußschuhen startest, empfehlen wir dir unseren Artikel wie du richtig in Barfußschuhen gehst, damit du mögliche Probleme vermeidest.
Barfußschuhe sind nicht für jede Gelegenheit geeignet. Auch wenn du zu den eingefleischten Fans des Barfußgehens gehörst, überlege in diesen Situationen klassische Schuhe:
In manchen Berufen und Aktivitäten ist spezielles Schuhwerk schlicht unverzichtbar. Berücksichtige vor der Wahl von Barfußschuhen immer die konkreten Anforderungen deiner Arbeit oder deiner Sportart.
Barfußschuhe können dein Leben zum Besseren verändern – allerdings nur, wenn du verantwortungsvoll damit umgehst und deine individuellen Bedürfnisse berücksichtigst.
Gesundheitszustand, Arbeitsumfeld und persönliche Bedürfnisse spielen eine wichtige Rolle bei der Entscheidung, ob und in welchem Maß du „barfuß“ Gehen in deinen Alltag integrierst und beginnst, viele seiner positiven Vorteile zu nutzen.
Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit den Physiotherapeut:innen Bc. Hanka Tonarová (HoneyCare.cz, FySport) und Mgr. Michael Tichov (FyzioGo).

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