Gehen, Bewegung und Gesundheit Geschichten und Marken
Lies das Interview mit Andrea Součková, der Gründerin von naBOSo. Du erfährst, wie sie zu Barfußschuhen gekommen ist und wie die Anfänge von naBOSo aussahen.
Heute ist es schon ziemlich normal, Menschen in Schuhen mit flacher Sohle ohne Absatz zu sehen – und auch das allgemeine Bewusstsein dafür, was Barfußschuhe eigentlich sind, ist deutlich gestiegen. Als ich darüber nachgedacht habe, welches Thema dich interessiert, war es genau dieses: „Sind die auch für mich?“ Und ich musste an das denken, was mir damals die Gründerin des naBOSo-Shops Andrea Kůstková erzählt hat:
„Als ich 2014 ein Praktikum in einem Labor an der Universität im kanadischen Edmonton gemacht habe, habe ich dort sehr viel Sport getrieben. Und nach längeren Läufen haben mir sehr oft die Knie wehgetan. Ich habe nicht verstanden, warum – ich war damals doch erst fünfundzwanzig! Nach meiner Rückkehr habe ich statt eines Besuchs beim Orthopäden meine ersten Barfußschuhe ausprobiert. Und die Probleme waren weg. Seitdem gehe und laufe ich in nichts anderem mehr.“
Also habe ich sie zum Interview getroffen, um zu erfahren, wie es weiterging – wie und warum ihr diese Schuhe persönlich geholfen haben. Und wenn dich interessiert, was du beachten solltest, wenn du selbst über den Kauf nachdenkst, dann schauen wir uns das in einem der nächsten Artikel an. Vielleicht inspiriert dich das ja auch zu einem Kommentar.
Andrea Kůstková
Sie wurde in Zlín geboren – Schuhe liegen ihr also tatsächlich im Blut. Ihre Großmutter arbeitete im Baťa-Hochhaus als Konstrukteurin. Andrea hat an der Hochschule für Chemie und Technologie in Prag Lebensmitteltechnologie mit Schwerpunkt Lebensmittelmikrobiologie studiert. Aktuell studiert sie ein postgraduales Fach mit Fokus auf nützliche Bakterien – Probiotika.
Nach ihrem Studium in Kanada kam ihr während Reisen durch Asien (in Vietnam und Kambodscha) die Idee, in Tschechien einen Shop für Barfußschuhe zu eröffnen. Eröffnet wurde er am 5. 5. 2015 – Anfang Mai feiert naBOSo damit vier Jahre Bestehen.
Die Idee kam buchstäblich wie aus heiterem Himmel – als das Ego gerade Urlaub hatte. Das war während einer Reise durch Südostasien mit meinem damaligen Partner Petr Mühlhans, noch dazu nach einem 50-Kilometer-Lauf fast barfuß oder in Barfußsandalen. Es passierte im größten Tempelkomplex der Welt, in Angkor Wat, wo mir der Gedanke kam, dass wir einen Shop mit allen „barfüßigen“ Marken eröffnen könnten.
Direkt danach haben wir angefangen, neue Marken zu suchen, die wir nach Tschechien bringen könnten. Und nur fünf Monate später, am 5. 5. 2015, haben wir naBOSo eröffnet – den ersten Multibrand-Store in Prag 6, in Dejvice.
Die Anfänge waren nicht einfach: Wir haben alle Mittel, die wir hatten, ins Business gesteckt, und am Anfang haben wir sogar im Hinterzimmer des Ladens übernachtet. Wir haben buchstäblich unser Herz hineingelegt und unser damaliges ganzes Leben dem Projekt gewidmet. Oft haben wir bis zwei Uhr morgens gearbeitet. Aber es hat sich gelohnt. Neben dem stationären Laden in Dejvice betreiben wir auch einen Onlineshop und haben außerdem einen Großhandel.
Barfußschuhe haben mir geholfen – und ich glaube, dass sie auch anderen helfen werden. Diese persönliche Erfahrung gibt mir Energie, die mich immer nach vorn treibt. NaBOSo ist nicht nur ein Shop, es ist unsere Mission.
2. Dein Shop heißt naBOSo – gehst du selbst auch barfuß? Und zu welcher Jahreszeit? In welchem Gelände – Stadt, Wald, Meer, Berge?
Natürlich – barfuß zu gehen „lädt“ mich auf. Ich liebe es, über frisches Gras zu laufen, am Meer, eigentlich überall in der Natur. Dazu gibt es auch wissenschaftliche Erkenntnisse (Stichwort „Earthing“): Barfußgehen soll unseren Körper tatsächlich über freie Elektronen positiv aufladen und erden. Ich bin allerdings keine Extremistin – in der Stadt trage ich Barfußschuhe.
3. Trägst du inzwischen ausschließlich Barfußschuhe?
Ja, für mich sind das die bequemsten Schuhe. Nur für einen Ball oder wichtige gesellschaftliche Anlässe (so etwa einmal alle drei Monate) ziehe ich Absätze an – aber nach ungefähr 30 Minuten gebe ich auf und ziehe sie wieder aus. Meistens sind mir diese Schuhe inzwischen alle zu schmal, der Unterschied zu bequemen Barefoots ist wirklich groß.
Ich musste allerdings meine Art zu gehen im Vergleich zum gewohnten Muster aus normalen Schuhen etwas verändern. Und meine Füße dafür auch ein bisschen trainieren.
4. Läufst du auch in Barfußschuhen?
Ja, das tut mir gut. Tatsächlich werden wir das auch oft gefragt: Ist es gut, in Barfußschuhen zu laufen? Ich sage ja – aber man muss die Lauftechnik daran anpassen, manchmal sogar grundlegend verändern.
In Barfußschuhen sollte die Kadenz deutlich höher sein, also kürzere und schnellere Schritte. Der Fußaufsatz muss konsequent über den Vorfuß auf den ganzen Fuß erfolgen – auf keinen Fall über die Ferse laufen. Meine Lieblingsmarken zum Laufen sind aktuell New Ballance und Merrell.
Siehst du, Andrea, ich mag „Merrells“ auch – die sind wirklich super, leicht und bequem. Ich laufe darin allerdings nicht, aber sie haben sich beim Gehen in der Natur bewährt: Ich nutze sie statt leichter Wanderschuhe und nehme sie eigentlich sogar mit aufs Rad.
5. Hat sich dein Gesundheitszustand (egal in welchem Bereich) verändert, seit du nur noch Barfußschuhe trägst? Und hängt das mit dem Schuhwechsel zusammen?
Der menschliche Körper ist ein perfektes Werk – nur wir „verderben“ ihn durch falsche Nutzung. Allein der Fuß enthält bis zu 200.000 Nervenenden, 33 Muskeln, 28 Knochen und 19 Sehnen. Wir werden barfuß geboren, deshalb brauchen wir zum richtigen Gehen keine dicke Sohle und müssen unsere Füße nicht in steife Schuhe einsperren. Bis zu 70 % der Informationen, die das Gehirn über Bewegung erhält, stammen aus den Nervenenden in der Fußsohle. Unser Körper kann sich dadurch natürlich an den Untergrund anpassen und ihn „einstellen“ – in Schuhen geht das so nicht!
Also lautet die Antwort: ja, definitiv! Früher hatte ich nämlich Plattfüße und auch eine Tendenz zum Hallux valgus. Jetzt habe ich weder das eine noch das andere. Ich glaube, ich habe auch stärkere Wadenmuskeln und insgesamt eine andere Haltung. Füße sind unglaublich anpassungsfähig – und wenn man sie kräftigt, verändern sie sich, genauso wie der ganze Körper.
6. Was hat sich bei dir noch verändert, seit du keine normalen Schuhe mehr trägst? Führst du jetzt einen anderen Lebensstil?
Ja, ich glaube, dank Barfußschuhen denke ich auch anders – zum Beispiel versuche ich, mich gesund zu ernähren. Eine Zeit lang war ich sogar vegan (etwa ein halbes Jahr), aber meinem Körper hat das nicht gepasst. Für zu Hause kaufe ich allerdings nicht viel Fleisch, und wenn ich die Wahl habe, greife ich zur Bio-Variante. Unsere Professorin hat immer gesagt, der goldene Mittelweg sei der beste – also alles mit Maß, kein Extrem ist gut. Natürlich unterstütze ich auch gern die „goldenen tschechischen Hände“, deshalb wähle ich tschechische Lebensmittel. Wir trennen auch Müll und so weiter. Alles hängt mit allem zusammen – und ich mag einen gesunden Lebensstil.
7. Wie läuft es bei naBOSo? Welche Kundschaft überwiegt – Kinder, Jüngere oder eher Ältere?
Wir versuchen, es so gut zu machen, wie wir können. Zu uns kommen zum einen Kinder – für sie ist das richtige Schuhwerk für eine gesunde Entwicklung der Füße wirklich wichtig. Interessant: Bei einer aktuellen Untersuchung wurde durch Messungen in Kindergärten festgestellt, dass bis zu 70 % der Kinder zu kleine Schuhe tragen!
Außerdem kommen Menschen mittleren Alters, Sportlerinnen und Sportler sowie ältere Menschen – bei ihnen meist schon mit irgendeinem Problem. Entweder leiden sie unter Rücken- oder Knieschmerzen, haben Hallux valgus, Plattfüße usw. Es tut mir aber leid, dass oft Eltern mit Kindern kommen, den Kindern Schuhe kaufen, aber sich selbst nicht – als wären sie nicht genauso wichtig? Schade ist auch, dass manche Erwachsene, oft gerade diejenigen mit Fußproblemen, immer noch der Mode folgen und nicht auf ihre Gesundheit achten.
8. Welche Fragen werden am häufigsten gestellt und welche Themen lösen Kundinnen und Kunden meist mit euren Assistenten?
Wir starten immer mit der Frage, wo die Schuhe getragen werden sollen – ob in der Stadt oder in der Natur. Danach empfehlen wir den passenden Schuhtyp. Viele fragen nach Materialien, nach Wasserdichtigkeit, Maschinenwäsche usw.
Dann geht es um die Größe. Barfußschuhe sollten nämlich eine Nummer größer sein, und im Schuh sollte eine Zugabe von ca. 1 cm sein, bei Kindern bis zu 1,2 cm. So hat der Fuß Platz, um zu arbeiten, kräftiger zu werden und sich auszudehnen. Häufig kommen auch Themen wie Hallux valgus, kleine Zehen, Knie- und Rückenschmerzen, Plattfüße, Fersensporn usw. zur Sprache.
9. Ich weiß, dass ihr nicht nur Barfußschuhe verkauft, sondern auch verschiedene Aktionen veranstaltet. Ich selbst habe bei euch ein paar Mal einen Vortrag über Anatomie und Funktion der Füße gehalten. Was bietet ihr sonst noch an oder plant ihr für die Öffentlichkeit – Vorträge, Unterrichtseinheiten, Workshops oder andere Formen der Aufklärung?
Unsere schöne Mission ist vor allem, die Gesellschaft zu bilden. Wir veranstalten Vorträge mit Lukáš Klimpera, Physiotherapeut, Schuhmacher und Inhaber der Marke Ahinsa. Außerdem mit der Physiotherapeutin Lucie Alblová, die sich vor allem auf die Betreuung von Kindern und ihren Füßen spezialisiert.
Wir reden nicht nur über Füße, Schuhe und Gehen – wir üben und machen es auch direkt. Zum einen haben wir eine Klinik: Massage, Laufen und Gehen, in der wir Interessierten in Kursen die richtigen Gewohnheiten beibringen. Zum anderen bieten wir im Sommer Workshops zur Herstellung traditioneller Sandalen, sogenannter Huarache, inspiriert von Indigenen, an. Und wir starten damit schon jetzt im Frühjahr.
Wir bauen Vorurteile ab und unterstützen die Veränderung von Gewohnheiten auch direkt draußen – jede und jeder kann jetzt ausprobieren, wie man sogar in der Stadt ohne Schuhe auf verschiedenen natürlichen Untergründen gehen kann.
Mit Unterstützung von Prag 6 haben wir nämlich gemeinsam für die Öffentlichkeit einen Barfußpfad im Max-van-der-Stoel-Park gebaut.
Wir unterstützen auch Sport mit wohltätigem Zweck – wir organisieren Laufwettbewerbe in Barfußschuhen, z. B. dieses Jahr gemeinsam mit den Distributoren der Schuhe leguano, dem Ehepaar Exnar. Start ist am 2. Juni um 14 Uhr. Dieses Jahr wird es ein Staffellauf und er dauert 24 Stunden – statt eines Staffelstabs wird ein Barfußschuh übergeben.
Der Lauf unterstützt eine gute Sache: Für jede gelaufene Runde (Rundenlänge 300 Meter) erhält der Stiftungsfonds Šestý smysl sieben Kronen. Der Wettkampf läuft auch nachts und endet in dem Moment, in dem auf der Strecke kein Läufer mehr in der Lage ist, eine Runde in weniger als 3 Minuten zu laufen. Komm und probier es aus!
Auch wir selbst entwickeln uns weiter und „härten“ uns ab – zum Beispiel mit Aktionen wie Glasswalking oder Firewalking. Während wir das Gehen über Glasscherben bei verschiedenen Events auch selbst organisieren, überlassen wir das Gehen im Feuer bzw. über glühende Kohlen (Firewalking) meist einem Spezialisten: David Mrhač von Bosá turistika. Wir fahren auch oft zu verschiedenen Veranstaltungen wie Design Market, Vegefest und anderen Festivals rund um einen gesunden Lebensstil. Unser Ziel ist, dass möglichst viele Menschen von Barfußschuhen erfahren.
10. Wenn du die verschiedenen Übungslektionen erwähnst: Wie ist deine Meinung zu Fuß- und Zehenübungen – würdest du sie empfehlen, haben sie dir geholfen? Welcher Kundengruppe könnte das helfen?
Ohne Übungen kann ich mir das gar nicht vorstellen. Bewegung ist generell wichtig. Wir sind für Bewegung gemacht. Training kann Körper und Geist verändern und heilen. Ich selbst bin ein Beispiel: Ich habe es geschafft, 10 kg abzunehmen und das Gewicht zu halten – dank regelmäßigem Sport und gesünderem Essen.
Und durch das Training haben sich auch meine Füße wirklich verändert! Deshalb weiß ich, dass Fußtraining und der Einsatz verschiedener Hilfsmittel wirklich sehr wichtig sind. Heute fühle ich mich viel besser als früher.
11. Wahrscheinlich hast du mich auch deshalb angesprochen – und ich mache einmal im Monat so eine kurze Einheit bei euch…
Ja, deine klassischen Montage würde ich sehr empfehlen! Einmal im Monat können unsere Kundinnen und Kunden (und nicht nur sie – eigentlich jede und jeder) dich live bei naBOSo treffen: Du zeigst der Öffentlichkeit deine durchdachte und wirksame Selbstmassage der Fußsohlen und Übungen für die Füße.
Wer nicht kommen kann oder lieber von zu Hause aus smarter und effektiver etwas für seine Füße tun möchte, kann sich auch den Onlinekurs cvikypronohy.cz holen.
Ich selbst nutze ihn, weil er übersichtliche Videos enthält, die zu einer aktiven Lösung des Problems führen. 10 Minuten am Tag – das haben unsere Füße, die uns ein Leben lang tragen, wirklich verdient. Ich habe eine Kundin gesehen – eine Frau vor einer Hallux-valgus-Operation –, die sich in drei Monaten trainiert hat; ihr Gleichgewicht und ihre Sicherheit beim Gehen wurden besser. Und es hat sogar ohne Operation geklappt.
12. Welche Pläne hast du für die nahe Zukunft?
Wir haben jetzt die Distribution einer großartigen amerikanischen Marke bekommen: Xero Shoes. Der Inhaber ist ein ehemaliger Profi-Läufer, der mit Verletzungsproblemen zu kämpfen hatte. Nachdem er das Buch Born to Run (Zrozen k běhu) gelesen hatte, hat er seine ersten Barfußsandalen selbst gemacht. Die Leute wollten immer mehr davon – und so gründete er eine Firma. Zusammen mit seiner Frau führen sie heute ein Familienunternehmen: Sie konzentrieren sich auf Schuhe für die Natur, fürs Laufen, aber inzwischen auch auf sportlich-elegante Modelle. Diese Marke möchten wir unterstützen.
Dann möchte ich mich auch meinem zweiten Projekt widmen – Probiotika. Ich habe versucht, meine zehn Jahre Studium und wissenschaftliche Laufbahn an der VŠCHT zu nutzen und das beste probiotische Produkt zu entwickeln. Es heißt Slimbiose. Es enthält konzentrierte Probiotika mit Stämmen, die durch klinische Studien bestätigt wurden und sehr gut funktionieren.
13. Und welche langfristigen Visionen und Wünsche hast du?
Mein Ziel für dieses Jahr ist es, auch meine Dissertation fertigzuschreiben und sie zu verteidigen.
Weil ich Sport liebe, möchte ich mich ihm mehr widmen. Triathlon macht mir sehr viel Spaß – letztes Jahr habe ich bei uns in den Beskiden einen Wettkampf absolviert: „Valachy man“. Ich möchte mich in allen Disziplinen (Schwimmen, Rad, Laufen) weiter verbessern, aber leider bleibt dafür nicht viel Zeit.
Ich liebe Berge sehr, deshalb verbringe ich im Winter meine Freizeit auf Skipisten – und ich würde auch gern Skitourengehen ausprobieren. Mich reizt Reisen, auch in Verbindung mit Tauchen. Und in Zukunft freue ich mich wirklich sehr darauf, dass eine Familie kommt – und vielleicht noch ein weiterer Hund.
14. Was möchtest du unseren Leserinnen und Lesern mitgeben?
Meine Botschaft: Mögen euch eure Füße dorthin tragen, wohin ihr euch wünscht zu gehen.
Danke, Andrea, für das Interview. Und ich wünsche dir, dass all deine Pläne und Visionen in Erfüllung gehen.
Und das war’s für heute, liebe Leserinnen und Leser. Vielleicht habt auch ihr schon persönliche Erfahrungen mit diesen Schuhen gemacht. Wenn ihr etwas fragen oder eure gute – oder auch weniger gute – Erfahrung teilen möchtet, freue ich mich sehr, wenn ihr die Kommentarfunktion hier unter dem Artikel nutzt oder auf der Facebook-Seite Lächeln deine Füße?
Oder schreib mir direkt eine Nachricht. Ich widme mich dann gern den Fragen: Was sollte man beachten, wenn man überlegt, ob man sich Barfußschuhe kaufen sollte – oder ob das nichts für einen ist.

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